Chaos.
Die Ritter der ersten Reihe wurden seitlich geschleudert, die hinteren holten ihre Schwerter aus den Scheiden und gaben ihr Bestes. Ein Kommandant kam zu mir und gab mir ein Pferd. Er sagte: – Renn, die anderen sind schon unterwegs. Hier ist keine Hoffnung mehr.
Dann ging er. Ich wollte kämpfen. Aber manchmal muss man Opfer bringen und wichtige Leute beschützen also ging ich nach hinten mit meinem Pferd, um die anderen einzuholen.
Erst als ich das hintere Tor schon weit hinter mich gebracht hatte, bemerkte ich die veränderte Landschaft. Ich befand mich in einem smaragdgrünen Wald mit Pflanzen aus aller Welt. Da waren Palmen, Fichten, Eichen, Maispflanzen und alles im selben wundervollen verstörenden Grünton. Hier waren circa zehn weitere Leute, die sich freuten, mich zu sehen, aber tief im inneren noch an ihren Geliebten dachten, die sich vor kurzem für sie geopfert hatten. Ich stieg von meinem Pferd, um es nicht zu sehr zu belasten und wir gingen Richtung Ost. Wir mussten schnell sein aber auch leise und vorsichtig. Der Wald war nicht sicher. Nebel schien uns von allen Richtungen mit weißen Tentakeln zu umarmen, aber noch konnten wir was sehen. Die Pferde waren unruhig und es wurde immer schwieriger sie zu kontrollieren also beschlossen wir, sie frei zu lassen. Mit gezogenen Schwertern setzten wir vorsichtig unseren Weg fort. Es war still. Zu still. Man hörte keine Tiere, keine Insekten. Bei jedem Rascheln der Blätter, zuckten wir beunruhigt zusammen. Unsere Nerven waren schon zu sehr angespannt. Wir hätten eine Pause gut vertragen können, wir konnten aber nicht aufgeben, also gingen wir weiter und endlich sahen wir die Brücke. Sie war gut versteckt zwischen dem grünen Dickicht, es schien sogar, als würden auch auf der Brücke weitere exotische Pflanzen wachsen. Die Brücke war größer als wir gedacht hatten und das Holz war weiß wie Marmor. So weiß, dass es schwer war, die Brücke anzusehen. Sie schien verzaubert zu sein. Sogar die Luft schien zu leuchten, als würde reines Licht schneien.
Wir entspannten uns ein wenig, während wir aus der Deckung der Pflanzen herauskamen. Es war wundervoll. Endlich hatten wir es geschafft. Wir grinsten einander an und gingen auf die Brücke zu, um direkt in den Armen eines Trolls zu landen. Vor mir stand ein smaragdgrünes drei Meter hohes Wesen, das mit verwirrter Miene auf uns hinabschaute. Das Einzige was ihn von der Vegetation unterschied war eine Stahlrüstung, die nur Teile seiner enormen Muskulatur bedeckte. Wir waren wie versteinert. Die Bestie sah uns mit nachdenklicher Miene an, sie konnte sich nicht entscheiden was zu tun war oder was wir waren. Ich beschloss, mich zu opfern und als Beute zu dienen, bevor sich der Troll entscheiden konnte was zu tun war. Ich zog das Schwert heraus. Der Troll öffnete überrascht seine Augen. Meine Kameraden rannten los. Das Schwert traf das Bein des Trolles der einen lauten verärgerten Schrei von sich gab und gleichzeitig mit den Fäusten auf den Boden schlug. Ich rannte zurück in den Wald, während die anderen die Brücke überquerten. Er war verletzt, aber nichts hinderte ihn mich zu verfolgen. Ich beschloss den Fluss entlang zu laufen, in der Hoffnung eine Möglichkeit zu finden ihn zu überqueren, ohne vorher getötet zu werden – außerdem gewann ich mehr Zeit durch die vielen Kurven, in denen der Troll immer wieder stehen blieb um zu überlegen was er nun machen sollte. Diese Kreaturen waren zum Glück sehr dumm. Aber schnell. Zu schnell. Er hatte mich fast. Er war nicht weit. Ich musste schnell handeln. Ich rannte noch schneller aber für ihn war es nur einen Spaziergang. Ich sah mich um, aber da war nichts. Ich bog wieder ab hinter einen Baum, um mir ein bisschen mehr Zeit zu verschaffen. Es war zu spät. Er streckte seinen Arm aus. Ich sprang.
Und ich fiel. Alles schien so weit von mir entfernt zu sein. Alles war so klein. Als würde ich in slow-motion fallen, sah ich den Wasserfall unter mir. Ich sah die Felsen. Ich sah die Pflanzen. Und ich sah das dunkelgrüne Wasser. Näherkommen. Näher. Näher. Näher. Grün. Ich fiel. Immer noch. Immer weiter. Immer tiefer. Aus unerklärlichen Gründen konnte ich nicht nach oben schwimmen. Ich sank tiefer. Und tiefer. Eine Ziege fiel langsam an mir vorbei. Ich war am Ertrinken. Es wurde immer dunkler. So dunkel, dass ich nicht mal meine Hände sehen konnte. Ich konnte nichts sehen, außer Schwarz.
Und hier rannte ich nun. Wieder. Ich konnte mich gar nicht erinnern wann ich das letzte Mal gemütlich auf einer Liege in der Sonne die Zeit gehabt hatte ein Buch zu lesen. Also rannte ich. Immer noch. Murmeltiere. Verdammte Murmeltiere. Erst war es nur eines gewesen, dann zwei… dann drei… ihr wisst schon wie das geht. Nun waren es Tausende. Tausend aggressive, flauschige Murmeltiere. Man sah den Hass in ihren Augen. Man sah die Wut. Sie rannten immer schneller. Und auch ich rannte immer schneller. Sie hatten mir was zu sagen. Aber wollte ich es wirklich hören? Die gepflasterte Straße war menschenleer. Anstatt dessen, sah ich vor mir einen Elch. Auch er war am Rennen. Aber er war nicht so schnell wie ich. Ich holte den Elch ein. Er sah mich an…
