Er starrte den grauen Lampenschirm an, der sich wie ein einsamer Baum in einer Wüste, den Weg aus der Einsamkeit erkämpfte. Er konnte den Anblick nicht mehr ertragen. Licht strömte mit besonderer Intensität durch das Fenster in das kahle Zimmer hinein. Er wollte raus. Wie lange war er schon dort? Jahre? Monate? In seinen Gedanken war er öfters spazieren gewesen; er hatte das Meer, die Berge und die Städte besucht, in denen er schon einmal war. Immer und immer wieder. Ein Alptraum. Schon langsam fingen die Bilder, die Farben an zu verblassen. Er brauchte eine Beschäftigung. Den ganzen Tag nur rum zu liegen war nichts für ihn. Sein größter Wunsch wäre zu sterben, um seine bedeutungslose Existenz zu beenden. Aber wie? Die Situation hatte aber auch seine positiven Aspekte. Immerhin musste er gar nichts tun. Eine Krankenschwester kam herein. Ihr rosarotes Gewand ließ sie aussehen wie ein abgemagertes Schwein. Sie lächelte ihn an. Wie immer. Er fragte sich was solche Menschen wohl von ihm erwarteten. Ein Lächeln? Was glaubten sie wie es ihm ging? Den ganzen Tag im Bett liegend, ohne Freunde, Verwandte… Oder hatte er doch noch welche? Er wusste es nicht. Es war auch nicht so wichtig. Das einzige was wirklich zählte, war die Motorik. Er hatte es endlich geschafft, einen Finger zu bewegen. Das war der größte Fortschritt, das größte Ereignis seines Lebens.
Oder doch nicht? Wenn er nur diese Gedankenlücken ausfüllen könnte…
Eine zu große Frau kam herein. Sie war noch nice da gewesen. Sie hatte einen schwarzen Pelzmantel an, der bis zum Boden hing und eine zu kleine Tasche, die nicht zu ihrer Körperfigur passte. Sie zog den Mantel aus, legte ihn auf seine Füße und begann irgendetwas in ihrer Tasche zu suchen. Sie trug einen schwarzen Rock, der ihre Knie kaum bedeckte, darunter schwarze Stiefeln und darüber ein dünner Pullover. Sie war unglaublich. Sie war groß, muskulös und ihre Brüste hätten nicht größer sein können. Er lag da, still und schweigend in seinen Körper gefangen. Wie gerne hätte er seine Hand ausgestreckt, um ihre nackte Haut zu fühlen. Um ihr dunkles Haar zu riechen. Um das wunderschöne Gesicht zu berühren und sich nach und nach, nach unten zu tasten, um ihren Körper zu erforschen. „Hallo Stephen!“ Sie schaute ihn mit spöttischem Blick an. Er musste sich an sie erinnern. So eine Frau würde er nicht vergessen. „Es ist eine Weile her… Ich weiß du kannst nicht reden. Ich hätte nie gedacht dich in so einen Zustand zu sehen.“ Sie setzte sich neben ihm auf dem Bett und schaute ihn an. „Die Ärzte meinen, dass sich die Lähmung aufheben kann und ich werde dafür sorgen.“ Ihr Blick verfinsterte sich. „Ich hoffe du bist noch immer der Alte“. Sie wollte gehen, drehte sich noch einmal um, legte einen Zettel auf der Kommode und ging, ohne ihm nur einen letzten Blick zu schenken.
