Sie lief durch den Gang so schnell es ging. Hinter ihr hörte sie eigenartige Geräusche und Schreie verschiedener Menschen. Sie hörte ihren Namen. Sie konnte aber nicht zurückkehren. Das Blut erfror in ihren Adern. Es war in ihrer Nähe. Sie konnte es fühlen. Eine Melodie kam unerwartet aus allen Richtungen. Sie hatte sie schon mal gehört…
Sie öffnete ihre Augen. Das Telefon klingelte. Das Eis war überall verstreut. Es schien so. als wäre sie eingeschlafen. Sie nahm das Telefon in die Hand und eine raue Stimme kam ihr entgegen. “Einen Unfall…Ich weiß, dass heute ihr einziger freier Tag ist… sie hatten mich gebeten sie nicht zu stören aber… ja es tut mir leid… wir arbeiten schon seit Stunden daran und ich dachte, das könnte sie interessieren…” Stille. Die Bilder von ihrem Traum schwebten noch in ihren Gedanken. Sie war müde und konnte sich nicht überwinden, sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Was hatte er gesagt? Unfall? Wer war denn überhaupt dran? Die Stimme unterbrach den Lauf ihrer Gedanken “Bist du noch da?” “Ja” Die einzige Antwort, die sie herausbrachte. “Also wie ich schon sagte, es könnte dich interessieren. Wir haben einen ähnlichen Fall wie damals; ich weiß, ich weiß…du wolltest nichts mehr davon hören, ich dachte nur… geht es dir gut?” “Ja… ja es ist alles in Ordnung.” “Gut… naja, ich habe dir eine E-Mail geschickt; da steht die Adresse falls du kommen willst. Ich weiß noch nicht, ob ich diesen Fall kriege, also…das ist zurzeit deine einzige Chance… Achja, noch etwas: mein Angebot steht noch.” Und schon war er weg. Sie stand noch da, mit dem Hörer in der Hand. Und was jetzt? Sie hatte sich schon damit abgefunden, sie hatte es schon verdrängt. Jetzt hatte sie die Wahl: es für immer vergessen und ein normales Leben führen, oder versuchen dieses Rätsel zu lösen und möglicherweise daran sterben. Aber war es überhaupt noch möglich ein normales Leben zu führen? Hätte sie damals die richtige Entscheidung getroffen, wäre das alles nicht passiert. Sie blickte durch das Zimmer in der Hoffnung, eine Antwort auf ihre Fragen zu finden. Nichts. Das Eis tropfte noch auf den eiskalten Boden. Moment. Seit wann war es so kalt? Die geschmolzene Flüssigkeit gewann langsam ihre Konsistenz zurück. Die Wohnung war dunkel; das einzige Licht, das ihr es ermöglichte, etwas zu sehen war das von dem Fernseher. Jetzt wusste sie es. Er war zurück, um sie zu holen.
***
