Ein Schatten bewegte sich in der Nacht. Er ging durch die Hauptstraße, um dann in eine dunkle Gasse zu verschwinden. Hatte er sich verlaufen? Wie spät war es schon? Wo war er? Er hatte viel zu viel getrunken, aber er konnte es nicht vergessen. Seit zwei Jahren ging sein Leben den Bach runter. Er hatte alles gehabt: Geld, Respekt und eine wundervolle Frau. Es ist erstaunlich, wie ein einziger Tag ein gesamtes Leben verändern kann. Er stolperte auf etwas, ging aber weiter bis zu den Mülltonnen. Er fiel auf den harten Asphalt. Er zitterte. Trinken konnte ihn auch nicht daran hindern, die Szene immer wieder vor seinen Augen zu sehen. Sie hatten ihn heute wieder rausgeschmissen. Er war Stunden lang an der Bar gesessen, hatte getrunken und getrunken bis er die Gläser nicht mehr zählen hatte können. Es war wieder passiert. Alle hatten ihn angestarrt, aber keiner von denen hatte die geringste Ahnung wie sich das anfühlte. Sie konnte es nicht wissen. Sie werden es auch nie verstehen. Ihnen war nicht bewusst, wie viel Glück sie hatten. Das Gute daran war, dass ihm das nichts mehr anhaben konnte. Er hatte sich daran gewöhnt. Er nahm den Wodka aus der Jacke und zog schnell die warme Flüssigkeit in seinem Mund. Das Zeug hatte ihm nie geschmeckt. Er lächelte beim Gedanken, wie leicht es gewesen war die Flasche zu stehlen. Er nahm noch einen Schluck. Die Nacht war klar und der klare Himmel war von leuchtenden Sternen überfüllt. Er zog seine Beine an sich. Erst jetzt bemerkte er das Blut, das aus seinem Arm floss. Er fühlte keinen Schmerz. Hatte er übertrieben? War er kurz vor dem Sterben? Das war der erste erfreuliche Gedanke seit Monaten. Er blickte noch einmal zum Himmel hinauf und schloss die Augen. Wenn er Glück hatte, würde er am nächsten Tag wieder frei sein. Die Erinnerung würde ein für alle Mal verschwinden.
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