Sie legte ihre Kleidung ab und ließ sich langsam in das warme Wasser der Badewanne fallen. Es war ein schwieriger Tag gewesen. Der Schaum bewegte sich über die Wellen, die von ihrem Einstieg erzeugt worden waren. Sie liebte es zu spüren, wie sich die Poren beim Kontakt mit dem Wasser öffneten und sich der Schaum an ihrer Haut festhielt. Es tat gut. Es war sehr viel Zeit vergangen, seit sie sich das letzte Mal eine Auszeit gegönnt hatte. Sie hatte einfach keine Zeit gehabt; ihre Arbeit nahm alle Stunden, die sie zu Verfügung hatte, in Anspruch. Oder war das nur eine lächerliche Ausrede? Sie wusste, dass sie immer wieder daran denken würde. Obwohl schon zwei Jahre vergangen waren, richteten sich alle ihre Gedanken an den damaligen Tag. Vielleicht wollte sie es gar nicht vergessen. Vielleicht brauchte sie den Schmerz, den ihr diese Erinnerungen bereitete. Das Telefon klingelte. Sollte sie abheben? Nein, das waren die einzigen Minuten im Jahr, die sie zu Verfügung hatte. Vielleicht war es etwas Wichtiges gewesen. Die letzten paar Monate waren ziemlich ruhig gewesen, deshalb würde nicht viel Zeit vergehen, bevor eine neue Meldung kommen würde. Sie konnte es nicht lassen. Sie war wieder mit ihren Gedanken bei der Arbeit angelangt. Der Nebel, der von der Badewanne aufstieg, formte seltsame Gestalten, die verschiedene Erinnerungen in ihr weckten. Sie vermisste ihn. Ihre Lippen krümmten sich nach oben, als sie an ihre erste Begegnung dachte. Es war – das Telefon klingelte schon wieder. Mit einem Seufzer stand sie auf und stieg schnell aus der Badewanne heraus. “Hallo?” Zu spät. Toller Abend: sie hatte nicht nur den Anruf verpasst und ihr Bad unterbrochen, sondern auch den ganzen Fußboden durchnässt. Sie kehrte in das Badezimmer zurück, nahm ein Handtuch aus dem Kasten und riss den Stöpsel aus der Badewanne. Das Wasser floss langsam in den Abfluss. Es war kalt. Ein Schauer lief ihr über den Rücken als sie die Tropfen auf ihrem Rücken spürte. Sie nahm das Handtuch ab, um es sanft an ihre Haut zu drücken und die Nässe zu beseitigen. Was sollte sie jetzt tun? Das war wieder mal typisch: wenn sie endlich ein paar Stunden für sich hatte, wusste sie nicht, was sie damit anfangen sollte. Sie zog sich ein Hemd an und ging in die Küche. Das Schokoladeneis, das sie aus dem Kühlschrank genommen hatte, war in der Zwischenzeit geschmolzen. Sie nahm es trotzdem und schaltete den Fernseher ein.
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